Warum fällt es vielen von uns so schwer,
unsere Bedürfnisse gegenüber Vorgesetzten anzusprechen?

Unsere Tänzer FAQ fassen Probleme zusammen,
die auf den Konferenzen von dancersconnect wiederholt zur Sprache kamen.

Für uns Tänzer*innen besteht offensichtlich Diskussions- und Verbesserungsbedarf über alle Bereiche unseres kreativen Arbeitens. Doch wie viel wissen wir eigentlich über vertragliche und organisatorische Strukturen hinter unseren Problemen? Und warum fällt es vielen von uns so schwer, unsere Bedürfnisse gegenüber Vorgesetzten anzusprechen?

Eines unser wahrscheinlich größten Probleme ist unser allgemeines Unwissen über den NV Bühne, die Rechte und Pflichten als Arbeitnehmer - vor allem aber unsere geringe Selbstwertschätzung als Tänzer*innen. Der Zusammenhang zwischen der eigenen täglichen Leistung und im Gegenzug der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers scheint fremd. Wir stehen uns selbst im Weg, wenn wir uns nicht in die Lage versetzen einen fundierten Dialog untereinander und mit unseren Vorgesetzten zu führen.

Unsere Tänzer FAQ fassen Problemstellungen zusammen, die auf den Konferenzen von dancersconnect wiederholt zur Sprache kamen.

  • Berufliches Selbstbild

    Berufliches Selbstbild

    "Vielen Dank für die große Chance!" Eine Jobzusage oder die Besetzung in einem Stück ist in den Augen von uns Tänzer*innen meistens ein Geschenk und eine Möglichkeit, für die wir zutiefst dankbar sind. An was viele dabei oft nicht denken, ist, dass wir uns dies durch Hingabe, Willenskraft und harter physischer Arbeit verdient haben. Mangelndes Selbstwertgefühl und fehlendes Selbstbewusstsein lässt uns Tänzer*innen oft vergessen, welch essentiellen Beitrag wir für das große Ganze leisten. Wir verdienen nicht nur die Chancen auf der Bühne und den Applaus des Publikums. Wir haben einen gesetzlich und tariflich verankerten Anspruch auf angemessene Beschäftigung, auf eine erfüllende und gesunde Karriere, bei der wir in vielen Angelegenheiten als Arbeitnehmer*innen mitreden dürfen.

    Der Bühnentanz als Berufsfeld hat sich in den letzten 25 Jahren einer enormen Wandlung unterzogen: Das Niveau in den Compagnien ist insgesamt stark gestiegen und Qualitätsunterschiede zwischen kleineren sowie größeren Ensembles haben sich im Zuge dessen immer mehr angeglichen. Tänzer*innen aus aller Welt wissen, um die international einzigartige Dichte und Vielfalt von Compagnien und freien Projekten in Deutschland. In Folge dessen hat die Konkurrenz auf dem Jobmarkt seit dem Fall der Mauer und durch die Globalisierung exponentiell zugenommen - immer mehr bessere Tänzer*innen kämpfen um immer weniger Jobs.

    Gleichzeitig aber blieb eine tiefergreifende und flächendeckende Veränderung der Strukturen und auch des Selbstverständnisses der Sparte aus, die diesen unmittelbaren Druck auf Tänzer*innen hätte kompensieren können. Ständige Befristung, geringe Bezahlung, unzureichend geregelte Arbeitsbedingungen durch den Tarifvertrag NV Bühne Solo, zuweilen überholte Führungs- und Lehrkonzepte, aber vor allem die Liebe zur Kunst haben viele Tänzer*innen in finanzielle und ideelle Abhängigkeiten zu ihren Vorgesetzten gebracht. Das hindert sie daran, selbstverantwortlich für sich als Künstler*innen, Arbeitnehmer*innen und soziale Menschen einzustehen.

    Schwierigkeiten, die der Bühnentanzberuf aus seiner Natur heraus mit sich bringt, kommen aufgrund dieser strukturellen Probleme verstärkt zum Tragen: die physische Hochleistung, geringe Selbstbestimmung im Probenalltag, das hauptsächliche Ausführen von Anweisungen, permanente Prüfungssituationen, sich in einem anderen Land fremd fühlen sowie ein flüchtiges und lokal weit gestreutes Sozialumfeld gehören dazu, können aber mental und zeitlich oft nicht ausreichend kompensiert oder gar überwunden werden.

  • Arbeitsvertrag

    Arbeitsvertrag

    Unser Arbeitsvertrag ist nur einer von vielen Bausteinen im Rechtsgefüge, das unser Arbeitsverhältnis als Arbeitnehmer*innen mit unserem Arbeitgebern regelt. Die Summe aus all diesen verschiedenen Gesetzen und Regelungen bilden das deutsche Arbeitsrecht. Es gliedert sich gemäß der nebenstehenden Hierarchie in verschiedene Ebenen. Arbeitsrecht kann sich von Arbeitsgebiet zu Arbeitsgebiet unterscheiden. Relevante Begriffe sind vage und ohne den Kontext modellhafter Einzelfälle schwer zu definieren. Sie bedürfen daher einer ständigen Neubewertung.

    Verträge und Vereinbarungen sollten garantieren:

    1. Gesunde Arbeitsbedingungen (physische sowie psychologische Gesundheit)
    2. Gerechte Vergütung
    3. Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben

    Bei der fortführenden Ausgestaltung der Arbeitsbedingungen auf häuslicher Ebene, sprich durch Betriebs- und Dienstvereinbarungen, hat der Arbeitnehmer ein gesetzlich geschütztes Recht auf Mitbestimmung, das durch Betriebsräte ausgeübt wird. Ein enger Kontakt zwischen Tänzer*innen und Betriebsräten ist daher essentiell.

    Die Besonderheit des Normalvertrag Bühne über viele Jahre nur befristete Arbeitsverhältnisse zu erlauben, basiert auf einer Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichtes von 1981. Es wird begründet mit:

    _der künstlerischen Freiheit der Intendanz (Artikel 5 Grundgesetz),
    _dem Abwechslungsbedürfnis des Publikums und
    _dem Theaterbrauch.

  • Ensemblesprecher

    Ensemblesprecher

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  • Betriebsrat

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  • Gewerkschaften

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  • Tanzmedizin

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  • Transition

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  • Steuererklärung

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